Reges Interesse für bewegende Geschichten geflüchteter Menschen – eine Lesung im MIGRApolis-Haus der Vielfalt

30. Januar 2017 | Kategorie: Sonstige Projekte

Fluechtlinge_erzaehlen_1 Fluechtlinge_erzaehlen_2 Fluechtlinge_erzaehlen_3 Fotos: Cynthia Rühmekorf

Bericht von J. Michael Fischell

Dicht gefüllt mit Zuhörer*innen waren am Sonntag, den 29. Januar die Reihen im MIGRApolis-Haus der Vielfalt in der Bonner Brüdergasse. Viele Menschen waren der Einladung zur Vorstellung des Projektes „Flüchtlinge erzählen: „Weißt du, wer ich bin? Die bewegten Biografien der Geflüchteten in unserer Stadt“ gefolgt.

Das Biografieprojekt der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) / Integrationsagentur unter der Projektleitung von Dr. Hidir Celik portraitiert die Lebenswege, Fluchtwege und Erfahrungen von 30 Geflüchteten aus Syrien, aus dem Iran, dem Irak, aus Afghanistan, Somalia, Ägypten, Serbien und Eritrea. Bei der Projektvorstellung bekamen die drei mitwirkenden Autoren,  Dr. Giorgia Sogos, Christoph Gappa  und  J. Michael Fischell, die die Gespräche führten und die Bearbeitung der Texte leisteten,  sowie die porträtierten Flüchtlinge Gelegenheit, sich vorzustellen und ins Gespräch mit den Zuhörer*innen zu kommen. Von dem Angebot zum Dialog, Fragen zu stellen und sich mit den Porträtierten auszutauschen, wurde rege Gebrauch gemacht.

 

Jede einzelne Geschichte gewährt Raum für Einblicke in Vergangenes und Gegenwärtiges, um die Schicksale der Geflüchteten greifbar und erfassbar zu machen, geben dem abstrakten Begriff „Flüchtlinge“ ein Gesicht. Die Texte handeln von ihren Erlebnissen im Heimatland, das Aufwachsen in den von (Bürger-) Kriegsgewalt und politischer Unterdrückung zerrissenen Ländern, die so unzählige, auch geliebte Menschen tötete, von den ihnen zugefügten brutalen Verletzung der Seele und des Körpers. Oft stockte uns, so der Projektkoordinator J. Michael Fischell, der Atem, bei dem, was Menschen von Menschen Furchtbares angetan wurde. Die Texte erzählen aber auch von der Ankunft in Deutschland, von ihren Erfahrungen und ihren Begegnungen in Bonn. Wie bewältigen sie ihr neues Leben, und was erhält sie aufrecht? Wie erleben sie den Stadtteil, in dem sie wohnen, und seine Menschen?  Erfragt wurden von den neuen Bürgern unserer Stadt ihre Wünsche und Träume und was sie erreichen möchten, um ein neues Leben zu beginnen. Da begegnen den Leser*innen viel Hoffnung und Tatkraft, aber auch Ängste und Traumata infolge des Vergangenen, sowie Ungewissheiten angesichts des Kommenden.

 

Die Texte werden in Kürze in Buchform veröffentlicht, die in einer Auflage von 1.000 Büchern Bildungsträgern in der Region, ehrenamtlichen Initiativen und interessierten Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Die Texte werden als Grundlage für Gespräche zwischen Geflüchteten und Bonner Bürgern in Quartierszentren, Bildungsstätten und Schulen dienen, sollen so einen Beitrag zum friedlichen Zusammenleben in den Stadtteilen und Sozialräumen in unserer Region leisten. Dadurch wird auf die gelebte interkulturelle und integrative Vielfalt aufmerksam gemacht und die erfolgreichen Modelle des Zusammenlebens illustriert. Mit diesem Projekt wird deutlich Position bezogen gegen Rassismus, rechtspopulistische Parolen, rechtsextreme Gewalt und Fremdenfeindlichkeit und für Solidarität, gegenseitigem Respekt und Toleranz geworben.

Gefördert wurde das Projekt als spezifische Maßnahme im Rahmen der KOMM-AN NRW III Projekte durch die Landesregierung NRW; in Kooperation mit der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe e.V.

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