Der Hoffnung ein Zuhause geben – Ein Abend mit Hıdır Eren Çelik und Martin Finke

28. August 2017 | Kategorie: Literatur

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Bild: Amal Alwasti, Der Dichter Celik und der Musiker Finke

Bericht von J. Michael Fischell

Der Autor Hıdır Eren Çelik stellte, begleitet durch Gitarre und Gesang des Musikpädagogen und Schulleiters Martin Finke, am Mittwoch, dem 23. August 2017 in der Stadtteilbibliothek im Bonner Tannenbusch sein neuestes Buch „Ich stehe vor deinen Toren – Gedichte zu Flucht, Vertreibung, Krieg und Frieden“ vor:

Çelik klagt in seinem neuen Gedichtband die Übel und Grausamkeiten unserer Zeit, wie Flucht, Vertreibung und Krieg, an. Er benennt Ursachen des weltweiten Leids, die Armut und die politische Verfolgung, die Menschen dazu zwingt, ihre Heimat zu verlassen. Er möchte den verschollenen, verhungerten und verfolgten Geflüchteten ein Gesicht und eine Stimme geben, erinnert an den Tod im Mittelmeer („Tod im Meer“). Er plädiert dafür, die vor unseren „Toren“ Stehenden, Teil unserer Zukunft werden zu lassen („Ich steh vor Deinen Toren“). Mit den Mittel der Poesie möchte er die Zuhörer*innen dazu ermuntern, Stellung zu beziehen, das Heutige kritisch zu hinterfragen. Hıdır Eren Çelik wendet sich an die Jugend, ruft sie auf, sich nicht durch fundamentalistische Ideologien verführen zu lassen: “…lass dich“ nicht im Sumpf des Hasses ertränken“ („Aufruf an die Jugend“).

Die Zuhörer*innen ermuntert er, die Gedanken fliessen zu lassen „…für Freiheit und Gerechtigkeit auf dieser Welt“. Er setzt aber auch auf die Einheit von Poesie und Widerständigkeit; der Einsatz für eine bessere Welt und die Seite der Liebe und Zärtlichkeit sind für ihn keine Gegensätze, sondern bilden eine Einheit. Hıdır Eren Çelik lässt sein „Herz in einen Schmetterling oder in einen Regenbogen… verwandeln“ und er schickt seiner Liebe einen „Kuss aus Wind“. Er setzt auf die Hoffnung und die Sehnsucht, dass eines Tages alle Menschen in Würde, in Freiheit leben können, „die Erde für uns alle ein zuhause„ wird („Aufruf“), denn „die Erde gehört uns allen“.

Das musikalische, emphatisch und klug gesetzte Gegenüber der Veranstaltung leistete Martin Finke mit seinen, die Vielfalt und das Geheimnis der vielen kleinen und großen Lebensthemen besingenden, poetischen Liedern. Auch er lässt, die geflüchteten Schwestern und Brüder willkommen heißen, „woher du auch kommen magst.“ Martin Finke ruft uns auf zum Teilen, das Lachen, das Brot und die Musik, mit denen, die „vor dem Tor stehen“. Denn wir alle sind verbunden, „…mit Fäden aus Freud und Leid…im Tuch der Zeit und Ewigkeit“. Auch für ihn gehört eins zum anderen, das Nachdenkliche und das Heitere, das Kritische und das Lied vom Glück, denn wie könnten wir auch angesichts der herrschenden Barbarei der Welt hinschauen, eingreifen und doch bestehen. Daher gilt auch: „sing vom Glück…von Liebe und…Morgenglanz im Tau“.

Martin Finke und Hıdır Eren Çelik ließen mich mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass der poetische Hoffnungsvolle und Träumer mehr an Wahrheitsgehalt über den Zustand des Heutigen in sich tragen, als die sogenannten Realisten und Prediger der Alternativlosigkeit zum Gegenwärtigen.

Veranstalter war die Stadtteilbibliothek Tannenbusch in Kooperation mit dem BIM e.V. und der EMFA-Integrationsagentur

Hıdır Eren Çelik, Ich stehe vor deinen Toren – Gedichte zu Flucht, Vertreibung, Krieg und Frieden, ISBN 978-3-945177-46-4; € 10,-
Free Pen Verlag, Bonn 2017

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