Impuls für die 4. Fastenwoche: Steh zu Deiner Neugier!

8. März 2018 | Kategorie: Religion und Philosophie

Motto 2018

Sieben Wochen ohne Kneifen: Zeig Dich! 

von Dirk Voos

Neugier bedeutet laut Grimms Wörterbuch „die Gier, etwas Neues kennenzulernen“ und wenn heute auch weniger bewusst, „die Gier, eine Neuerung zu machen“ beides ist schon in der ganz alten biblischen Geschichte vom Paradies enthalten: Eine junge Frau möchte auch die einzig verbotene Frucht im Paradies probieren und löst damit eine heftige Reaktion aus: den Rausschmiss aus dem Garten. Die Neugier, welche bei Eva durch die Attraktivität des Verbotenen – von einem Baum nicht essen zu dürfen –  ausgelöst wurde, hatte heftige Folgen für das Paar: sie mussten den Garten Eden verlassen und ganz woanders neu anfangen.

Diese biblische Geschichte wird oft als pädagogisches Beispiel gebraucht, dass Neugier und der Verstoß gegen ein Verbot schlecht sei. Doch stimmt das überhaupt? Ist Neugier grundsätzlich schlecht? War es überhaupt schlecht, dass Eva und Adam vom Baum der „Erkenntnis des Guten und Bösen“ gekostet haben? Was wäre gewesen, wenn sie es nicht getan hätten? Es gehört doch zu unserem Menschsein, Grenzen zu überschreiten und neugierig Neues zu erforschen und zu probieren? Gut und böse zu unterscheiden und Verantwortung zu übernehmen für unser Denken und Handeln. Nur durch menschliches Wissen wollen und Ausprobieren verändert sich die Welt. Eröffnen sich neue Perspektiven. Es ist richtig, dass wir uns auf Neues und Fremdes einlassen. Auch auf neue und fremde Menschen mit ihren unterschiedlichen biographischen und kulturellen Erfahrungen. Gerade zur Arbeit mit Flüchtlingen und Migranten gehört es, sich neugierig auf Begegnungen und Dialog mit Fremdem einzulassen.

Doch gibt es auch Grenzen des Einlassens. Manchmal muss ich aufhören. Ich muss meine Neugierde und mein Tun zum richtigen Zeitpunkt  bremsen. Ich muss Halt machen, damit ich nicht ausgenutzt und missbraucht werde oder gar krank werde und ausbrenne. Ich muss aufhören, bevor ich anderen wehtue. Ich muss ihre Privatsphäre akzeptieren. Akzeptieren, dass sie ihr Leben anders gestalten als ich es mir vorstelle.

Zusammengefasst: Nicht kneifen, lassen Sie sich neugierig auf Neues ein – auf neue Menschen und anderes Handeln. Aber kneifen Sie auch andere und sich selbst nicht so, dass es unangemessen weh tut.

Kommentare sind geschlossen