Aleppo

17. September 2018 | Kategorie: Literatur

Gedicht von Bernd Heinz Kämper

Ich träumte
an einem milden
Sommerabend
von roten Lippen,
als ob sie
bluten könnten,
vom Grauen einer Nacht,
die mir des Himmels
Sternen-Meer geöffnet.
So flog ich davon
durch finstere Welten
ausgelebter Opfer,
verwest in Bombenkratern
und Schutthalden,
sah lautlos klagende
Mütter, betend gebeugt
über tote Kinder.
Durchträumte
ausgehöhlte Gräber,
wo Tote, namenlos,
kalt, verkannt,
in friedlosem Blut
zusammengepfercht.
Bis aus ihrer
roten Erde
Adam
neu erschaffen wird,
trocknet kein
kühler Mond meine Tränen.

Dieses Gedicht hat 2017 im Literaturwettbewerb zur 11. Bonner Buchmesse Migration den ersten Preis im der Kategorie Lyrik erhalten.

Veröffentlicht in: Bernd Heinz Kämper, Begegnungen, wenn ja, öfter,
Engelsdorfer Verlag, Leipzig 2018, S. 149

ISBN 978-3-96145-347-4

Kaemper_Begegnungen

 

 

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