Impuls für letzte Fastenwoche: „Für die Wahrheit streiten“

12. April 2019 | Kategorie: Religion und Philosophie

7_Wochen_ohne_klein_2019

Als aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er die Stadt voller Götzenbilder sah. Und er redete zu den Juden und den Gottesfürchtigen in der Synagoge und täglich auf dem Markt zu denen, die sich einfanden. Einige Philosophen aber, Epikureer und Stoiker, stritten mit ihm. Und einige von ihnen sprachen: Was will dieser Schwätzer sagen? Andere aber: Es sieht aus, als wolle er fremde Götter verkündigen. Denn er verkündigte das Evangelium von Jesus und von der Auferstehung. Sie nahmen ihn aber mit und führten ihn auf den Areopag und sprachen: Können wir erfahren, was das für eine neue Lehre ist, die du lehrst? Denn du bringst etwas Neues vor unsere Ohren; nun wollen wir gerne wissen, was das ist. Alle Athener nämlich, auch die Fremden, die bei ihnen wohnten, hatten nichts anderes im Sinn, als etwas Neues zu sagen oder zu hören. Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. (Apostelgeschichte 17,16-24)

Im letzten Impuls vor Karfreitag und Ostern geht es auf eine andere Weise um unseren Umgang mit Wahrheit und Lüge. Was tue ich, wenn andere Menschen um mich herum Falsches, Unwahres sagen? Lasse ich die Lüge / Unwahrheit stehen? Schlucke ich mein Unbehagen, vielleicht sogar meine Wut herunter? Oder verteidige ich, was ich für wahr halte? Streite ich für die Wahrheit wie Paulus damals in Athen? In vorherigen Impulsen habe ich Sie ermuntert, sich selbst treu zu bleiben, ehrlich zu sich und den anderen sein – authentisch. Mit diesem Fastenimpuls gehe ich noch weiter: Versuchen Sie auch Ihrer Verantwortung für die Wahrheit gerecht zu werden. Ich glaube, dann merken Sie, dass manche Unwahrheiten nicht hingenommen werden dürfen. Es gibt Unwahrheiten, die menschliche Gemeinschaft zerstören und Menschen konkret schaden. Es gibt Aussagen, die Menschen bewusst entwürdigen, ausgrenzen, ihnen Menschenrechte verweigern und schaden.

Es darf nicht sein, dass Menschen, die Geflüchteten helfen und sie als Partnerinnen und Partner begleiten, als „Gutmenschen“ verleumdet werden. Es darf nicht sein, dass Seenotretterinnen und -retter kriminalisiert werden und wegen Beihilfe zu illegalem Grenzübertritt verfolgt werden? Es darf nicht sein … Ihnen fallen bestimmt genau wie mir noch viel mehr Beispiele ein. Streiten Sie für die Wahrheit mit – nicht nur in dieser letzten Fastenwoche.

Pfarrer Dirk Voos

Kommentare sind geschlossen