Kunst ist eine starke Vermittlerin, um uns zu verstehen und auszudrücken. Kunst ist eine universelle Sprache, um Emotionen zu teilen und miteinander in Kontakt zu treten, auch wenn wir sonst möglicherweise keine gemeinsamen Gesprächsgrundlagen hätten. Gleichzeitig schafft Kunst kreative Spielräume.
Bei dem Projekt „Schenk mir Deine Farbe“ fokussiere ich mich auf ein Symbol: Kraniche, die in verschiedenen Kulturen, in unseren Erinnerungen mit positiven Assoziationen besetzt sind.
Die Vögel gelten nicht nur als Herrscher des Himmels, sondern sie werden bei vielen Völkern verehrt. In der japanischen Kultur stehen sie für Langlebigkeit, Treue, Glück, Unsterblichkeit und Frieden. In China und Griechenland sind Kraniche neben diesen Bedeutungen ein Symbol der Klugheit. In Anatolien stehen sie für Sehnsucht, Botschaft und Exil.
Kraniche sind auch ein beliebtes japanisches Origami-Design. Wir haben Malen und Origami zusammengebracht. Während jemand sorgfältig Kraniche auf das Bild klebte, sagte eine Teilnehmerin: „Ich möchte einfach nur fliegen, wohin weiß ich auch nicht“. Oder ein 10-jähriger Junge fragte „wohin soll ich meinen Vogel kleben?“, und schaute auf das Papier vor sich. „Nach meiner Meinung sind Vögel die Kinder vom Himmel, und sie kommen nur runter, wenn sie die Erde und Blumen vermissen – also du kannst selber entscheiden wohin“, antwortete ich. Eine andere Teilnehmerin sagte: „Ah ja, ich weiß, wo mein Vogel landet, in dem Ort, der mich glücklich machen wird, meine Freunde sind dort.“
Die Zusammenarbeit mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen ist immer spannend und kreativ. Im Prozess kam jeder entsprechend seiner eigenen Bedürfnisse mit Kranichen in Kontakt. Am Ende landeten Kraniche mit freudigen Geräuschen auf unseren bemalten Bildern. Mit der Unterstützung von Yuriko erlebten wir in unterschiedlichen Sprachen verschiedene Kulturen – eine tolle Erfahrung.
Ich erinnerte mich an eine Zeile von Forugh Farrochzad: „Behalte den Flug im Gedächtnis, der Vogel ist sterblich“…
Von einem Stück Blatt stiegen wir in den Himmel. Ein wenig verwirrt, ein wenig besorgt, aber fröhlich.
Sibel Akkulak-Dosch
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