25.1.2026, Bonn
Draußen peitschte am vergangenen Sonntag ein eisiger Wind durch die Bonner Brüdergasse, doch im Inneren des Haus MIGRApolis herrschte eine Wärme, die weit über die Raumtemperatur hinausging. Das Projekt „Anders sehen – inklusiv gestalten“ hatte zur Matinée geladen, und die Resonanz war überwältigend.
Ein Andrang, der alle Erwartungen übertraf
Schon vor Beginn der Veranstaltung um 11:30 Uhr wurde klar: Das Interesse an der Symbiose aus Wort und Klang war riesig. Es kamen mehr Menschen, als wir uns in unseren kühnsten Träumen erhofft hatten. Jeder Stuhl war besetzt, und die gespannte Erwartung im Raum war förmlich greifbar. In Kooperation mit LitArt Rheinschiene entstand ein Kulturmoment, der die Menschen trotz der winterlichen Kälte zahlreich zusammenführte.
Wenn Worte tanzen und Saiten weinen
Im Mittelpunkt stand die Autorin Uta Harst (bürgerlich Dr. Uta Oberkampf), die mit ihrer Lesung aus dem Werk „Saitensprünge“ das Publikum tief bewegte. Sie war schlichtweg grandios: Mit ihrer einnehmenden Präsenz entführte sie die Zuhörer in eine Welt voller Reflexion und Tiefgang. Ihre Sprache war präzise und lebendig – eine literarische Reise, die perfekt mit der Atmosphäre des Hauses harmonierte.
Doch die Lesung war kein Solo, sondern ein tiefgreifender Dialog. Der Flamencogitarrist Ismael de Barcelona begleitete die Texte nicht nur – er antwortete auf sie. Mit einer technischen Brillanz und einer emotionalen Hingabe entlockte er seinem Instrument Klänge, die für wahre Gänsehaut-Momente sorgten. Das rhythmische Klopfen auf dem Holz der Gitarre und die leidenschaftlichen Melodien bildeten das perfekte Echo zu der Poesie von Uta Harst.
Ein Zeichen für Inklusion und Gemeinschaft
Die Matinee unter dem Banner „Anders sehen – inklusiv gestalten“ zeigte eindrucksvoll, wie Kultur Brücken schlägt. Es war mehr als nur eine Lesung; es war ein Erlebnis für alle Sinne, das bewies, wie kraftvoll das Zusammenspiel verschiedener Kunstformen sein kann.
Trotz des frostigen Januartages gingen die Besucher mit einem inneren Leuchten nach Hause. Ein herzlicher Dank gilt den Künstlern und allen Gästen, die diesen vergangenen Sonntag zu einem unvergesslichen kulturellen Highlight in Bonn gemacht haben.
Text: Gergana Ghanbarian-Baleva

Fotos: Dr. Hidir Celik
