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Lorenzo Milani: Der Gründer der Schule der Offenheit

Lorenzo Milani: Der Gründer der Schule der Offenheit

Giorgia Sogos

Am 27. Mai 2023 wurde in Italien der 100. Geburtstag von Lorenzo Milani gefeiert. Als Priester, Schriftsteller und Erzieher stellen sein Handeln und seine Lehre immer noch ein bedeutendes Muster für die italienische Schule dar.

Lorenzo Milani wurde 1923 in Florenz in eine wohlhabende bürgerliche Familie hineingeboren. Sein Vater war Chemiker und seine Mutter, eine Jüdin aus Triest, war die Cousine von Edoardo Weiss, einem Psychoanalytiker und Anhänger Sigmund Freuds. Beide Eltern waren Agnostiker und Antikleriker. Aufgrund der Wirtschaftskrise zog die Familie 1930 nach Mailand. Der zunehmende Anstieg des Antisemitismus in den folgenden Jahren und der Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland veranlassten sie dazu, vorsichtig eine Ehe im katholischen Ritus einzugehen und ihre Kinder zu taufen. Lorenzo wuchs in einem lebhaften intellektuellen Umfeld auf und nährte sich der Malerei, sodass er das Atelier des deutschen Malers Hans-Joachim Staude in Florenz und die Brera-Akademie in Mailand besuchte. Im Jahr 1943 kehrte er mit seiner Familie nach Florenz zurück und bekehrte sich zum Christentum. Er trat in das Cestello-Seminar ein. Diese Zeit war für ihn sehr hart, weil er von Anfang an mit der Mentalität der Kirche in Konflikt geriet. In der Tat war die Kirche in seinen Augen von der Unmittelbarkeit und Aufrichtigkeit des Evangeliums sehr weit entfernt. 1947 wurde er in der Kathedrale von Florenz vom Kardinal Elia Dalla Costa zum Priester geweiht. Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit der Kurie von Florenz, die ihn zu nah an den Ausgestoßenen hielt, wurde Milani nach Barbiana geschickt, einem kleinen und abgelegenen Bergdörfchen in Mugello. Dort kam er zum ersten Mal in Kontakt mit Armut und Ausgrenzung und brachte ein neues Schulmodell ins Leben, dessen revolutionärer Charakter Kritik in der kirchlichen und weltlichen Welt hervorrief. Die Schule von Barbiana war eine Gemeinschaft, in der alle arbeiteten und sich gegenseitig halfen. Die Hauptregel war, dass derjenige, der am meisten wusste, denjenigen unterstützte und demjenigen half, der am wenigsten wusste. Das Ideal dieser Schule bestand darin, eine inklusive und demokratische Bildung aufzubauen, damit alle SchülerInnen durch eine personalisierte Didaktik dazu Zugang hatten. Auf diese Art und Weise wurden die Gleichheit sowie die Gleichberechtigung gewährleistet und die Unterschiede, die sich aus Reichtum und sozialer Lage ergaben, verringert. Seine öffentliche Erklärung wurde in seinem Werk „Lettera a una Professoressa“ (Brief an eine Lehrerin) 1967 festgelegt. Zusammen mit seinen SchülernInnen antwortete er damit nicht nur auf die eingegangene Kritik, sondern verurteilte das Schulsystem der Zeit als selektiv und antidemokratisch, das die Bildung der Reichen zu Lasten der Armen bevorzugte. Zu den weiteren Punkten gehörten „nicht durchfallen“ und eine Vollzeit-Gemeinschaftsschule einzurichten, die allen offen stand.

Mit der Übernahme des englischen Mottos „I care“ schlägt Lorenzo Milani ein Schulmodell auch für die Zukunft vor, in einer zunehmend vielfältigen und geschichteten Gesellschaft, wo Unterschiede und Verschiedenheiten einen Reichtum sind.

Giorgia Sogos anlässlich ihres Theaterdebüts in Florenz

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